Zur Erklaerung

Okay Leute, jetzt einfach mal ein paar Sachen zur Erklaerung. Zur Erklaerung, was hier gerade so los ist.
Michelle. Ich hab sie euch schon mehrfach praesentiert. Die in einer Grundschule in Phnom Penh arbeitet. Als Direktorin. Michelle sucht ab Januar eine Lehrerin fuer ihre Schule. Ich mein: eine Schule mit dieser Frau als Direktorin! Sucht ab Januar eine Lehrerin! Und diese Stadt: von der ersten Sekunde an hab ich sie geliebt. Ehrlich! Von der ersten Sekunde war das so: yes. Manche wissens. Aber Januar, das war Natatalies Stichtag. Der 9. Januar um genau zu sein. Wenn ich zurueckkomme vom Skifahren. Dann sollte das ernste Leben weitergehen. Ich mein, da stellen sich schon irgendwie bestimmte Fragen, oder?
Oder dieser Blog! Leute, ihr glaubt nicht wie das ist, mit diesem Blog! 2 Wochen nachdem ich von einer Sekunde zur anderen an den Computer gelatscht bin und diesen Blog eroeffnet habe, habe ich 800 Hits. Ich mein: 800 Hits! Wenn ich inzwischen richtig informiert bin, dann heisst das, dass 800 mal am Tag Leute auf meinem Blog was anklicken. Da kann man schon mal ins Nachdenken kommen, oder?
Und irgendwann wurde es mir dann auch echt zuviel, versteht ihr? Am Anfang war das ja alles noch so ein bisschen tastend, ausprobierend. Aber immer sehr persoenlich. Weil fuer mich war immer klar: ich schreib das alles fuer meine Leute. Aber 800? Das ist schon ganz schoen viel. Und erinnert ihr euch: irgendwann in Laos hiess es mal: the end! Ich hoer auf! Weil da gabs Momente, die konnte ich nicht einfangen. Und es war auch ein bisschen: wow, das ist einfach too much pressure. Seither sind es stabile 200-300. Das ist okay. Das ist gut.
Aber die Abenteuer gehen schliesslich weiter! Und ich erzaehl auch immer wieder von dem Blog und von Natatalie. Leuten, die ich treff. Und, hey: Aus dezenter Ratlosigkeit sind es halt ueberwiegend die Partygeschichten, die hier landen. Das tut mir leid! Und es entspricht nur teilweise der Realitaet. Glaubt ihr mir das? Zum Beispiel der Artikel gestern. Der war gut, der war analytisch. Aber trotzdem: Leute, die ein paar Tage mit mir verbringen, ich mein, die flippen. Die flippen alle! Zum Beispiel Nicky, die euch schon bekannt ist. Die hat eine 19jaehrige Tochter. Beileibe viel gesehen im Leben. Und Nicky fragt mich ganz zum Schluss: okay Natascha, and how do you cope with all this?
Naja. Wenn ich jetzt gerade so meine Tage rumbringe, am Strand, in Bars, woauchimmer, da bin ich immer in meiner kleinen Blog-Welt. Ich schreib die ganze Zeit Blog! In meinem Kopf. Stundenlang kann ich dasitzen und nachdenken und manchmal lach ich einfach so los, weil mir mal wieder so ein Zusammenhang einfaellt. Einer von diesen ungezaehlten Zusammenhaengen.
Noch so ein Ding: 2 Tage nachdem ich mich von Toffke trenne, nun auch ich, 2 Tage spaeter treff ich Sok. 2 Tage spaeter! Das kann ich beweisen, mit diesem Blog. Da gabs keine Ueberschneidung, ehrlich. Und es hat ganz schoen gedauert, bis die Hoffnung vollstaendig weg war. Dass mit Toffke wieder alles wird wie frueher. Oder besser. Aber an diesem Tag Skypen mit Pu und an diesem Tag fuer mich: jetzt ist es vorbei.
Und mit Sok, naja. Das ist halt echt nicht so ein gewoehnlicher Urlaubsflirt, echt. Ich hab das eigentlich nie, deswegen weiss ich nicht so genau, wie das so ist, um ehrlich zu sein. Aber wir verbringen jede freie Minute miteinander. Will heissen: jede Minute, die er nicht arbeitet. Und wir sind so unterschiedlich! Wir laufen entlang, am Strand, und ich sag: iiiiiihhhh, Hippies. Und er sagt: Hippies? What’s that? Aber vielleicht habt ihrs ja auch schon davor verstanden. Wie unterschiedlich Sok und ich sind. Und trotzdem ist es einfach: peng.
Und gestern hat er mir gesagt, dass er Angst hat, wenn ich weg geh. Und dass er es erst einen Tag vorher wissen will. Bevor ich geh. Weil wenn ers vorher weiss, dann kann er an nichts anderes denken, sagt er. Er ist so suess.
Aber fuer den muss das gerade auch irgendwie sein wie ein Maerchen, glaub ich. Weil die beten sie ja alle an, die Weissen. Weiss sein heisst schoen sein. Er haette gerne so weisse Haut wie ich, sagt Sok. Das waere dann schoen. Und ich sag, dass ich gerne braun waere. Aber das ist natuerlich nur, um meine Whiteness aufzupeppen. Klar.
Und diese ganze soziale Dimension. Die da ueber Sok zum Vorschein kommt. Zum Beispiel die Kellner im Restaurant meines Guesthouses. Die arbeiten 16 Stunden am Tag! Von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Und die duerfen sich nicht hinsetzen, das ist verboten! Und dann, kleine Momentaufnahme. Dann bedienen diese armen kleinen Khmers zwei Deutsche, an meinem Nachbartisch. Sorry, aber Ossis. Und die reden darueber, dass ihre von gestern abend noch keine Haare unten rum hatte. Und dass die ja eigentlich echt leicht zu halten sind, weil die essen ja kaum was, das haetten sie in Indonesien auch schon gedacht.
Mir ist das Essen im Hals stecken geblieben. Ich weiss, ich haette ihnen meinen Fruchtschlabber ins Gesicht schuetten sollen. Ich habs nicht gemacht! Es tut mir total leid, aber ich habs nicht gemacht. Ich konnte einfach nicht mehr. Nicht noch mehr, in diesem Moment.
Aber ich frag mich wirklich, was man tun kann. Weil wenn du weiss bist, wenn du Touri bist, dann hast du eine gute Position. Und ganz ehrlich. Ich hab mir ueberlegt, ich werd den Hotelbesitzer verlangen, bevor ich geh. Und ihm sagen, dass ich die Arbeitsumstaende seiner Mitarbeiter zum Kotzen finde. Und ich werde mit dem Lonely Planet argumentieren. Weil der ist hier die wahre Superpower! Der Lonely Planet ist die Macht. Und ich hab mir auch ueberlegt, dass ich an Lonely Planet schreiben werde. Und sie an ihre Verantwortung erinnern werde. Dass diese Form von Tourismus, die die ins unermessliche potenzieren fuer die Leute hier eine g0ttverdammte Fickscheisse ist. Dass sie das kapieren muessen, diese Dimension. Und ihre Verantwortung.
Ihr seht Leute. Es ist alles wie immer. Die Welt ist schlicht und einfach zum Kotzen. Aber Natatalies kleines Plaetzchen darin: wie immer spitzenmaessig. So ist es halt einfach. Manche findens gut, manche findens schlecht. Ich finds geil. Und egal wohin ich schau: mein Leben ist geil. Aber, Lektion von gestern: teilen.
Und Erklaerungen such ich ja auch, klar. Ich mein, sicherlich: alles eine Frage der Wahrnehmung. Aber auch des Gluecks. Der Privilegien. Und dessen, was man so ausstrahlt. Und ich kann euch sagen: die Typen laufen mir gerade in Scharen hinterher. Das ist so, echt. Ich mein, ich kenn das so nicht! Ich bin schon richtig raffiniert im Abfuhren erteilen. Das ist vermutlich so, wenn man als Frau alleine reist. Wow, verwegen! So ist das also. Wenn man als Frau alleine reist. Aber ich bin schliesslich gerade verknallt.
Aber trotzdem. Es ist krass. Weil irgendwie alles Sinn macht! Alles haengt zusammen! Nur ein Beispiel: wie ich Michelle kennengelernt hab. Ich reise ja mit Ismael, den ich aus Nantes kenne. Ihr wisst schon, Ismael! Und mit Ana, die ich kenne ueber Ismael. Und die ich vor dieser Reise kaum gekannt hab! Ich mein, wir haben fast 2 Monate quasi 24 h miteinander verbracht. Hatten vorher keine Route besprochen, nichts. Man koennte meinen, das kann schonmal in die Hose gehen. Aber es ist toll! Ana, das weiss ich, die bleibt fuers Leben. Jedenfalls ist Ana Mitglied bei Couchsurfing. Eine Homepage, bei der man sich umsonst bei Leuten zum Pennen einzecken kann. Und in Thailand haben wir halt mal so geschaut und Ana meinte so, hey Nat, willst du nicht mal fuer Kambodscha schauen, ob du jemanend findest? Und die einzige Person, die ich anschreib, ist Michelle. Ob sie Bock hat, ein Bier trinken zu gehen in Phnom Penh. Und sie: ja cool, ruf an wenn du da bist. Das hab ich gemacht und den Rest wisst ihr schon. Und jetzt stellt euch mal vor ich fange bei ihr an zu arbeiten. Welch Zusammenhang! Welch Kausalitaet der Dinge!
Ihr seht, es ist viel gerade. Und verrueckt ist auch, dass ich bald zurueckkomm. Und ihr, die das gelesen habt, mir einen Spiegel vorhalten werdet. Wow, aufregend! Ein Spiegel zum reinkucken. Ihr. Aber ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Und wie es scheint, ist Bangkok jetzt ja auch wieder halbwegs betretbar. Ich komme wohl also in 11 Tagen zurueck. Wow.