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Bis gleich!

Jetzt ist es soweit. Cambodia bis zur allerletzten Sekunde.Wiedersehen mit Ana und Ismi in Suedthailand, die Inseln, Fullmoonparty: alles gecancelt. Natatalie ist einfach in Cambodia geblieben. Und weil mein Flieger geht, gehts morgen nach Bangkok und uebermorgen nach Germany. Der Schock, ich weiss es jetzt schon, wird gigantisch. Ich mein: ich bin seit 2 Wochen am Strand! Und seit Monaten in der Hitze. Und im Stressi steht: ueberall trinken die Punsch. My goodness.
Aber: ich komm. Also: bis gleich!

Ist es verboten?

Nur noch eine kurze Nachbetrachtung zur Szene mit dem Macker in der Strandbar. Erinnert ihr euch? Jedenfalls als ich weg war, da hat der Typ irgendwie realisiert oder erfahren, dass ich das girlfriend bin. Und das war dann der Grund, um sich zu entschuldigen! Bei Sok, natuerlich. Und hat ihm die ganze Zeit Drinks ausgegeben. Ich geh da auf jeden Fall nicht mehr hin. Ich hab Sok danach gefragt, wie er das so fand, und der meinte, dass er ja gesagt haette, dass ich zu ihm gehoere. Und damit hat er mich ja dann schliesslich irgendwie verteidigt. Ihr seht: Reviere. Nun gut. Ich hab ihn gefragt, ob er es nicht unfair fand, dass am Ende ich gehen musste und nicht der Typ, wo der doch das Arschloch war. Das findet er auch. Aber er sagt, er kann nichts machen.
Nun denn. Ich wurde informiert: 800 Hits sind ev auch einfach 799 mal Suchmaschine. Vielleicht bist du also der oder die einzige! Aber das ist scheissegal! Sowas von egal. Du reichst! Das ist vermutlich sogar: besser.
Ich wills euch einfach mitteilen, wisst ihr? Denen, dies wissen wollen. Was mit mir passiert. Mein Glueck teilen. Vielleicht ist jemand anderes deswegen ja auch ein bisschen gluecklich. Jemand, von dem ich mirs so sehr wuensche, dass er oder sie gluecklich ist. Und da gibt es einige. Alle anderen: wegschalten.
Und auch was in Kambodscha passiert! Diese unfassbare Ausbeutung. An der wir mittschuld sind! Ich will dass alle das wissen. Ich dreh nicht frei. Ich heb nicht ab. Und ich denk nicht nur an mich. Auch an mich. Aber meistens im Zusammenhang mit anderen. Und ich bin halt: in der 30er-Krise. So nennt das Ramses. Der kennt das naemlich auch. Wenn sich ploetzlich irgendwie grosse Fragen stellen. Und wenn man vielleicht mal so was wie Bilanz zieht, ueber das was bisher so war. Und ist.
Wie auch immer. Ich hoffe, ihr verstehts. Ich hoffe, ihr verstehts richtig. Und jetzt, mal ehrlich: darf man eigentlich immer nur jammern? Muss man immer alles alles Scheisse finden? Kann man nicht einfach mal sagen: I‘m fine? Zugegeben: auf Natatalies Art. Aber muss man sich dafuer entschuldigen? Ich kann euch versichern: ich finde nach wie vor so viele Dinge Scheisse, dass ich gar nicht so viel essen kann, wie ich kotzen will. Und ich versuchs sie zu verstehen, meine eigene Rolle in dem allem. Und: Kennt ihr mich nicht alle auch am Boden zerstoert? Am Ende? Oder ist es verboten, gluecklich zu sein? Ist es das? Ist es verboten?
Wir werden sehen. Obs irgendjemand versteht. Oder ob am Flughafen schon der Transporter fuer die Klappsmuehle wartet. Wenns niemand versteht, dann hab ich ja jetzt eine Ausweichmoeglichkeit ;-) Weil Cambodia und ich, wir bleiben ein gutes Team. Cambodia versteht mich.

Zur Erklaerung

Okay Leute, jetzt einfach mal ein paar Sachen zur Erklaerung. Zur Erklaerung, was hier gerade so los ist.
Michelle. Ich hab sie euch schon mehrfach praesentiert. Die in einer Grundschule in Phnom Penh arbeitet. Als Direktorin. Michelle sucht ab Januar eine Lehrerin fuer ihre Schule. Ich mein: eine Schule mit dieser Frau als Direktorin! Sucht ab Januar eine Lehrerin! Und diese Stadt: von der ersten Sekunde an hab ich sie geliebt. Ehrlich! Von der ersten Sekunde war das so: yes. Manche wissens. Aber Januar, das war Natatalies Stichtag. Der 9. Januar um genau zu sein. Wenn ich zurueckkomme vom Skifahren. Dann sollte das ernste Leben weitergehen. Ich mein, da stellen sich schon irgendwie bestimmte Fragen, oder?
Oder dieser Blog! Leute, ihr glaubt nicht wie das ist, mit diesem Blog! 2 Wochen nachdem ich von einer Sekunde zur anderen an den Computer gelatscht bin und diesen Blog eroeffnet habe, habe ich 800 Hits. Ich mein: 800 Hits! Wenn ich inzwischen richtig informiert bin, dann heisst das, dass 800 mal am Tag Leute auf meinem Blog was anklicken. Da kann man schon mal ins Nachdenken kommen, oder?
Und irgendwann wurde es mir dann auch echt zuviel, versteht ihr? Am Anfang war das ja alles noch so ein bisschen tastend, ausprobierend. Aber immer sehr persoenlich. Weil fuer mich war immer klar: ich schreib das alles fuer meine Leute. Aber 800? Das ist schon ganz schoen viel. Und erinnert ihr euch: irgendwann in Laos hiess es mal: the end! Ich hoer auf! Weil da gabs Momente, die konnte ich nicht einfangen. Und es war auch ein bisschen: wow, das ist einfach too much pressure. Seither sind es stabile 200-300. Das ist okay. Das ist gut.
Aber die Abenteuer gehen schliesslich weiter! Und ich erzaehl auch immer wieder von dem Blog und von Natatalie. Leuten, die ich treff. Und, hey: Aus dezenter Ratlosigkeit sind es halt ueberwiegend die Partygeschichten, die hier landen. Das tut mir leid! Und es entspricht nur teilweise der Realitaet. Glaubt ihr mir das? Zum Beispiel der Artikel gestern. Der war gut, der war analytisch. Aber trotzdem: Leute, die ein paar Tage mit mir verbringen, ich mein, die flippen. Die flippen alle! Zum Beispiel Nicky, die euch schon bekannt ist. Die hat eine 19jaehrige Tochter. Beileibe viel gesehen im Leben. Und Nicky fragt mich ganz zum Schluss: okay Natascha, and how do you cope with all this?
Naja. Wenn ich jetzt gerade so meine Tage rumbringe, am Strand, in Bars, woauchimmer, da bin ich immer in meiner kleinen Blog-Welt. Ich schreib die ganze Zeit Blog! In meinem Kopf. Stundenlang kann ich dasitzen und nachdenken und manchmal lach ich einfach so los, weil mir mal wieder so ein Zusammenhang einfaellt. Einer von diesen ungezaehlten Zusammenhaengen.
Noch so ein Ding: 2 Tage nachdem ich mich von Toffke trenne, nun auch ich, 2 Tage spaeter treff ich Sok. 2 Tage spaeter! Das kann ich beweisen, mit diesem Blog. Da gabs keine Ueberschneidung, ehrlich. Und es hat ganz schoen gedauert, bis die Hoffnung vollstaendig weg war. Dass mit Toffke wieder alles wird wie frueher. Oder besser. Aber an diesem Tag Skypen mit Pu und an diesem Tag fuer mich: jetzt ist es vorbei.
Und mit Sok, naja. Das ist halt echt nicht so ein gewoehnlicher Urlaubsflirt, echt. Ich hab das eigentlich nie, deswegen weiss ich nicht so genau, wie das so ist, um ehrlich zu sein. Aber wir verbringen jede freie Minute miteinander. Will heissen: jede Minute, die er nicht arbeitet. Und wir sind so unterschiedlich! Wir laufen entlang, am Strand, und ich sag: iiiiiihhhh, Hippies. Und er sagt: Hippies? What’s that? Aber vielleicht habt ihrs ja auch schon davor verstanden. Wie unterschiedlich Sok und ich sind. Und trotzdem ist es einfach: peng.
Und gestern hat er mir gesagt, dass er Angst hat, wenn ich weg geh. Und dass er es erst einen Tag vorher wissen will. Bevor ich geh. Weil wenn ers vorher weiss, dann kann er an nichts anderes denken, sagt er. Er ist so suess.
Aber fuer den muss das gerade auch irgendwie sein wie ein Maerchen, glaub ich. Weil die beten sie ja alle an, die Weissen. Weiss sein heisst schoen sein. Er haette gerne so weisse Haut wie ich, sagt Sok. Das waere dann schoen. Und ich sag, dass ich gerne braun waere. Aber das ist natuerlich nur, um meine Whiteness aufzupeppen. Klar.
Und diese ganze soziale Dimension. Die da ueber Sok zum Vorschein kommt. Zum Beispiel die Kellner im Restaurant meines Guesthouses. Die arbeiten 16 Stunden am Tag! Von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Und die duerfen sich nicht hinsetzen, das ist verboten! Und dann, kleine Momentaufnahme. Dann bedienen diese armen kleinen Khmers zwei Deutsche, an meinem Nachbartisch. Sorry, aber Ossis. Und die reden darueber, dass ihre von gestern abend noch keine Haare unten rum hatte. Und dass die ja eigentlich echt leicht zu halten sind, weil die essen ja kaum was, das haetten sie in Indonesien auch schon gedacht.
Mir ist das Essen im Hals stecken geblieben. Ich weiss, ich haette ihnen meinen Fruchtschlabber ins Gesicht schuetten sollen. Ich habs nicht gemacht! Es tut mir total leid, aber ich habs nicht gemacht. Ich konnte einfach nicht mehr. Nicht noch mehr, in diesem Moment.
Aber ich frag mich wirklich, was man tun kann. Weil wenn du weiss bist, wenn du Touri bist, dann hast du eine gute Position. Und ganz ehrlich. Ich hab mir ueberlegt, ich werd den Hotelbesitzer verlangen, bevor ich geh. Und ihm sagen, dass ich die Arbeitsumstaende seiner Mitarbeiter zum Kotzen finde. Und ich werde mit dem Lonely Planet argumentieren. Weil der ist hier die wahre Superpower! Der Lonely Planet ist die Macht. Und ich hab mir auch ueberlegt, dass ich an Lonely Planet schreiben werde. Und sie an ihre Verantwortung erinnern werde. Dass diese Form von Tourismus, die die ins unermessliche potenzieren fuer die Leute hier eine g0ttverdammte Fickscheisse ist. Dass sie das kapieren muessen, diese Dimension. Und ihre Verantwortung.
Ihr seht Leute. Es ist alles wie immer. Die Welt ist schlicht und einfach zum Kotzen. Aber Natatalies kleines Plaetzchen darin: wie immer spitzenmaessig. So ist es halt einfach. Manche findens gut, manche findens schlecht. Ich finds geil. Und egal wohin ich schau: mein Leben ist geil. Aber, Lektion von gestern: teilen.
Und Erklaerungen such ich ja auch, klar. Ich mein, sicherlich: alles eine Frage der Wahrnehmung. Aber auch des Gluecks. Der Privilegien. Und dessen, was man so ausstrahlt. Und ich kann euch sagen: die Typen laufen mir gerade in Scharen hinterher. Das ist so, echt. Ich mein, ich kenn das so nicht! Ich bin schon richtig raffiniert im Abfuhren erteilen. Das ist vermutlich so, wenn man als Frau alleine reist. Wow, verwegen! So ist das also. Wenn man als Frau alleine reist. Aber ich bin schliesslich gerade verknallt.
Aber trotzdem. Es ist krass. Weil irgendwie alles Sinn macht! Alles haengt zusammen! Nur ein Beispiel: wie ich Michelle kennengelernt hab. Ich reise ja mit Ismael, den ich aus Nantes kenne. Ihr wisst schon, Ismael! Und mit Ana, die ich kenne ueber Ismael. Und die ich vor dieser Reise kaum gekannt hab! Ich mein, wir haben fast 2 Monate quasi 24 h miteinander verbracht. Hatten vorher keine Route besprochen, nichts. Man koennte meinen, das kann schonmal in die Hose gehen. Aber es ist toll! Ana, das weiss ich, die bleibt fuers Leben. Jedenfalls ist Ana Mitglied bei Couchsurfing. Eine Homepage, bei der man sich umsonst bei Leuten zum Pennen einzecken kann. Und in Thailand haben wir halt mal so geschaut und Ana meinte so, hey Nat, willst du nicht mal fuer Kambodscha schauen, ob du jemanend findest? Und die einzige Person, die ich anschreib, ist Michelle. Ob sie Bock hat, ein Bier trinken zu gehen in Phnom Penh. Und sie: ja cool, ruf an wenn du da bist. Das hab ich gemacht und den Rest wisst ihr schon. Und jetzt stellt euch mal vor ich fange bei ihr an zu arbeiten. Welch Zusammenhang! Welch Kausalitaet der Dinge!
Ihr seht, es ist viel gerade. Und verrueckt ist auch, dass ich bald zurueckkomm. Und ihr, die das gelesen habt, mir einen Spiegel vorhalten werdet. Wow, aufregend! Ein Spiegel zum reinkucken. Ihr. Aber ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Und wie es scheint, ist Bangkok jetzt ja auch wieder halbwegs betretbar. Ich komme wohl also in 11 Tagen zurueck. Wow.

Teilt!

Gestern hab ich einen Tag zugebracht. Zugebracht am Serendipity Beach. Und hab gesessen in der Bar, in der Sok arbeitet. Ihr muesst euch das ungefaehr so vorstellen: da ist ein Strand, der ist vielleicht 500 m lang. Nicht mehr. Und alles, aber alles ist voller Bars. Bar an Bar. Und alles so eng! An manchen Stellen muss man fast ins Wasser gehen, um an den Bars vorbeizukommen.
Und hier, hier findet man sie alle. Kinderficker. Dicke, sonnenverbrannte Bratwuerste, die sich noch mehr in der Sonne aalen. Traveller. Backpacker. Von allen ein paar.
Und wenn man da so sitzt, in diesen Bars, und Fruchtshakes trinkt oder Bier, dann kommen immer wieder Leute vorbei. Die betteln. So circa alle 30 Sekunden wird man nach Geld gefragt. Leute ohne Beine, die an einem vorbeirobben, Leute mit schlafenden Kindern auf dem Arm, mit Verstuemmelungen jeder nur erdenklichen Art.
Und nicht dass ihr jetzt denkt: Moralkeule oder so! Ich mein: das nervt! Alle 30 Sekunden! Und manche singen so schrecklich, dass es weh tut in den Ohren, echt. Aber auf so eine ganz perverse Art ist das alles einfach irgendwie der Gipfel der Zivilisation. Der Himalaya der Menschheit. Der Spiegel der menschlichen Existenz, konzentriert auf 500 m.
Und, und das ist gut, man muss sich damit auseinandersetzen! Man muss einfach. Hier, an diesem Ort geht es einfach nicht anders. Und deshalb stellen sich eben Fragen. Wie verhalten? Geld geben? Wem Geld geben? Kindern? Wegschauen und den Urlaub geniessen? Was ist es hier, links zu sein?
Und manchmal bringen die auch einfach echt praktische Sachen. Zum Beispiel Ananas. Oder die Cambodian Daily, und ein Blick in eine asiatische Zeitung ist gerade ja wirklich: wow. Asia is burning. Thailand. Thailand und Kambodscha. Nord- und Suedkorea. Indien und Pakistan. Heftig. Und manchmal kommt man mit diesen Leuten auch ein bisschen ins Gespraech, weil einige koennen doch ein bisschen englisch. Und die sind so herzallerliebst! Wirklich! Fuer jedes Laecheln, das man ihnen schenkt, ein tausendfaches zurueck. Und Geschichten hoert man da, das ist unglaublich. Von drogensuechtigen Bruedern, die schlagen. Vom Ueberlebenskampf, jeden Tag.
Aber jeder, jeder hat seinen kleinen Traum! Jeder hat eine Idee fuer ein business, alle sind sie optimistisch. In dieser unfassbaren Misere. Und so dankbar! Fuer alles! Das Gesicht dieses Mannes, der ohne Beine den ganzen Tag am Strand auf- und niederrobbt, als er ein Glas Wasser von Natatalies Wasserflasche bekommen hat. Good luck for you, das sagen sie immer. Good luck for you.
Und: die Cambodian Daily. Ein Artikel ueber ein Hotel in Mumbai, das angegriffen wurde. Die Helden von Mumbai sind die Angestellten eines Hotels, die in der ganzen Schiesserei nur an ihre Gaeste gedacht haben. 6 Kellner oder Angestellte wurden getoetet. Der Koch organisierte die Rettung der Leute mit 2 Kugeln im Arm.
Und wie kommt das? Warum sind Leute so? Warum kommen die nicht an den Punkt zu sagen: bis hierher und nicht weiter?
Auf jeden Fall: Natatalie gibt Geld. So viel sie kann. Und sie ist, gelinde gesagt, kurz vorm pleitesein. Aber das ist egal. Ich will ihnen was abkaufen. Weil ihnen das hilft. Und ich handel auch mit denen! Das macht so Spass, weil die haben alle die selbe Masche und ich hab sie durchschaut. Aber Kinder, ich weiss nicht. Irgendwie mag ich das nicht. Schlafende Kinder auf irgendwelchen Armen mitten in der Nacht. Kinder sollen schlafen in irgendwelchen Betten. Oder etwas Bettartigem. Hier ist irgendwie meine Grenze.
Und als ich in Phnom Penh war, da war ich bei einer Organisation fuer Strassenkinder. Die vertreten die Position, dass man Kindern generell kein Geld geben soll. Sondern mittel- oder langfristige Projekte unterstuetzen soll. Aber in der Realitaet, im Leben der Leute: Bullshit.
Und wisst ihr, die wollen alle alles wissen! Die sind so interessiert, an allem! Und hier ist es schliesslich ein Privileg, zur Schule zu gehen. Das koennen nur die Reichen. Oder die Armen, wenn sie mit 13 von zuhause weggehen, um Zement zu schleppen. So wie Sok. Und, zieht es euch rein: in Kambodscha gibt es 6000 NGOs! 6000! Seit Jahren! Und es ist ein Privileg, zur Schule zu gehen. Das ist vermutlich die beschissenste denkbare Bilanz fuer Entwicklungshilfe nach dem Tod von Pol Pot vor 10 Jahren. Seither schwappt er rueber. Dieser unglaubliche Tourismuswahnsinn aus Thailand. Korruption. Paedophilie. Ueberall. Auf allen Ebenen.
Und in dem Dorf von Ramses, da hab ichs erlebt. Und ueberall sonst auch! Wie die Leute hungrig sind nach Bildung. Bauarbeiter, Kinder, Bauern, alle. Greifen zu Buechern, lesen. Stellen Fragen. Wollen ihre paar englischen Brocken ueben. Und zeigen. Im Unterricht mit 60 Kindern: Totenstille. Alle saugen alles auf. Freiwilliger Unterricht in Ramses kleiner Privatschule, nach dem regulaeren Unterricht. Und alle sind sie da.
Es ist irgendwie, als wuerden sies verstehen. Dass sie sich bilden muessen. Dass sie kritisch werden muessen. Dass sie hinterfragen muessen. Und dass sie eine Grundlage brauchen fuer ihr Ueberleben. Und Sok, zum Beispiel. Der ist 27 Jahre alt. Spricht gutes Englisch. Hat die Highschool absolviert, wollte zur Uni, aber unmoeglich. Sein naechstes Ziel, abgesehen vom kleinen, eigenen Business: Computer lernen. Weil er kanns nicht. Das Internet benutzen! Weils ihm nie irgendjemand gezeigt hat!Aber zuerstmal sucht er sich einen zweiten Job. Weil die 80 Dollar im Monat fuer 8-9 Stunden taeglich nicht reichen. Er sucht sich einen weiteren 4-Stunden Job! Nicht um zu sparen, fuer eine eigene Bar oder Computerkurse. Fuer Kleider, fuer Benzin. Fuer Essen. Aber erst wenn ich weg bin. Hat er gesagt.
Und jetzt wird der Bogen gross: Rote Khmer. Weil wenn sie was geschafft haben, dann die intellektuelle Elite ihres Landes voellig zu vernichten. Alle gebildeten Leute, Lehrer, angeblich alle, die Brille trugen. Und das merkt man! Das merkt man so krass. Zum Beispiel die Lehrergeneration, die Ramses gerade kennenlernt, in dem Dorf. Eine Katastrophe! Echt! Wie auch. Woher sollen sies koennen.
Und wenn ich das vergleiche, im Kopf, mit Kolumbien. Und Kolumbien ist schliesslich: pretty fucked up too. Aber da gibt es Intellektuelle. Die hams nicht leicht, klar. Aber es gibt sie. Da gibt es wenige Unis fuer Arme. Die links sind. Da gibt es die Farc. Und bei aller Kritik an der Farc: sie ist zumindest ein Indiaktor dafuer, dass die Menschen in Kolumbien an einen Punkt gelangt sind. Zu sagen: bis hierher und nicht weiter. Wir wehren uns jetzt. Wir kaempfen. In Kambodscha gibt es keine Farc. Die Leute koennen so viel ertragen.
Und ein weiteres hochinteressantes Aufeinandertreffen von Kambodschanischer Welt und Touristenkosmos findet man in Phnom Penh. Mitten in der Stadt gibt es naemlich einen riesigen See. Vielleicht so gross wie der Tegler See oder so. Und ringsrum ist der bebaut, haben sich die Leute Bretterbuden hingezeimmert. Und jetzt hat ein koeranischer Investor das einfach gekauft. Den See, das Grundstueck und einen Ring von 200 Metern um den See. Und jetzt: wird der See aufgeschuettet! Mit Sand! Und die Haeuser in diesem Ring: werden geraeumt. Ohne jegliche Entschaedigung, klar. Und jetzt begibt es sich aber, dass genau da das Backpackerzentrum der Stadt liegt. Eine kleine Strasse, vielleicht 200 Meter lang, wird in den naechsten Monaten verschwinden. Keine Ahnung ob das die anderen Backpacker wissen. Nicht weit von da fangen die Haeuser jedenfalls schon an einzustuerzen. Weil der Grund nicht mehr stabil ist. Und diese Leute? Koennen sich ein neues Dreckloch suchen. Diesmal irgendwo 20 km ausserhalb Phnom Penhs. Wo sie dann zum arbeiten das Moped nehmen muessen, das sie nicht haben und genausowenig haben sie das Geld fuer die Fahrt mit anderen. Also bleiben die Maenner eine Woche in der Stadt, schieben ihre kleinen Fruchtkarren vor sich hin, und die Kinder und Frauen sind irgendwo am Arsch der Welt, verlassen.
Aber zurueck zum Serendipity Beach. Und Natatalies Beobachtungen! Weil die Parabel, sie kommt erst noch. Das finale grande.
Ich also da im Sessel, Blickkontakt zu Sok, immer mal wieder. Cambodian Daily. Als ploetzlich so ein unglaublich lauter Macker die Buehne betritt. Und alle, alle anmacht. Vor allem Frauen. Aber eigentlich alle! Und Regi wuerde sagen: der Typ ging einfach mal ueberhaupt nicht klar. Der groesste Aufschneider den ich je gesehen hab. Schrecklicher Typ. Und da er alle anmacht, probiert er es natuerlich auch bei Natatalie. Die erste Abfuhr: nonverbal. Als er das zweite Mal vor mir rumhampelt, sag ich, drohend: just don‘t. Das kennt er nicht und zieht sich zurueck. Und schreit die ganze Zeit ins Telefon und Leuten hinterher und ist einfach nur zum Kotzen. Aber er merkt, dass ich mit den anderen rede. Weil ich kenn die ja alle! Aus der Bar. Da ist Sok. Soks Freunde. Khmer staff und western staff. Soks Boss. Sok sagt, der beste Boss den er je hatte, aber ein arrogantes belgisches Drecksarschloch. Oder die Leute, die betteln. Der Typ merkt, dass ich zu allen offen bin und mit allen rede, ausser mit ihm. Und das nervt ihn. Und deswegen kommt er wieder an. Und wieder. Und ich sag, klar und deutlich: piss off. I don‘t want to talk to you. Leave me alone. Alle stehen drumrum und sehen das. Es ist wie eine Buehne. Als es mir eigentlich schon reicht, ruf ich Sok her, der mit Gaesten beschaeftigt ist. Und was macht der? Stellt sich neben mich. Und grinst! Es ist schon so ein Ich-verteidige-die-Grinsen. Ein schraeges. Aber er grinst. Und sagt nichts. Weil er der angestellte Khmer ist. Und weil er viel zu viel ertragen kann, wie alle Kambodschaner.
Jedenfalls. Am Ende geh ich. Mit einem lauten shut the fuck up. Laufe, ohne zu stolpern, an der staff vorbei zu Sok. Alle signalisieren mir irgendwie ihre Solidaritaet. Auch Sok. Aber gemacht haben sie alle nichts.
Aber: und das ist geil. Weil diesem Typen hab ich aber so eine dicke Abfuhr erteilt, yes! Peinlicher gehts nimmer. Die Abfuhr wird der nicht so schnell vergessen. Und ich: nicht geschrien, nicht die Wuerde verloren, nicht gestolpert, cool gebleiben. Strike! Danke Brunnenstrasse!
Und alle Zuschauer, vielleicht! Vielleicht denken die mal drueber nach, dass alles Grenzen hat. Dass es Punkte gibt, an denen man einfach sagen muss: bis hierhin und nicht weiter. Ich hoffe es. Weil die zu lieb sind, fuer so eine Welt. Und kaempfen muessen. Und es gibt Hoffnung! Wirklich, es gibt Hoffnung! Ich hab Menschen kennengelernt, da glaub ich dran. Dass es irgendwann besser sein kann. Wie Michelle. Die in ihrer Grundschule alles versucht, um ihren Kids das Leben so schoen wie moeglich zu machen. Und nach 60-Stunden-Wochen am Wochenende als volunteer arbeitet im Waisenhaus. Oder das franzoesische Paerchen in Kep. Die aufgrund eines gluecklichen Grundstuecksdeals viel Geld haben. Und was bauen sie als erstes, vor dem geplanten Veranstaltungsraum? Eine Schule. Die umsonst ist! In der Sprachen unterrichtet werden. Und die kommen alle und wollen lernen! Es sind nach kurzer Zeit zu viele. Es gibt sie also wirklich. Leute, die ihr Glueck teilen. Ich will auch teilen. Leute, teilt!

einfach schoen

Ich bin da wieder hingefahren. Und es gab da ueberhaupt keinen Zweifel! Nach einem Wochenende in Phnom Penh bin ich wieder zu ihm gefahren. Und Phnom Penh war: auch das zweite Mal einfach geil. Ich hab Nicky und Michelle getroffen und bekannt gemacht. Und irgendwie zaehlt das auch wie ein Beweis, find ich. Dass alles wahr ist. Und dann eben wieder Sihanoukville. Und: Beweise, Beweise, Beweise! Superpower everywhere.
Und weil Sok einen Tag frei hatte, sind wir nach Kep gefahren. Wo er herkommt! 2 Stunden auf dem Moto. Egal. Und als wir da waren, da hab ichs erst realisiert: dass er mir irgendwie seine Welt zeigen wollte! Seine Freunde. Das Hotel, in dem er 5 Jahre gearbeitet hat. Kep.
Und das ist unglaublich! Ich mein, stellt euch das mal vor. Da kommt Miss Was-kostet-die-Welt nach Kambodscha. Miss Urbanism. Miss Revolution. Miss Ich hab ein Ticket fuers WM-Finale. Miss wenn ich in Deutschland bin geh ich erstmal noch ne Woche Skifahren. Miss das eine Jahr in Frankreich war fantastique, aber jetzt hab ich irgendwie wieder mehr Bock auf Berlin. Natatalie halt. Miss Rockcity. Und trifft auf diesen armen kleinen suessen Khmer. Und wisst ihr was? Der kann das ab! Der kann das alles ab. Wenn Natatalie dann ihre stories auspackt, dann lacht er manchmal oder schuettelt den Kopf, manchmal versteht er halt auch einfach nicht, wovon ich rede, glaub ich. Aber das ist egal. Er kann Natatalie aushalten. Und das ist gerade wirklich: wow.
Und in Kep. Da war ich: sein girl-friend! Ich bin jetzt auch ein girl-friend! Und hab einen boy-friend. Und alles ist irgendwo so voellig selbstverstaendlich. Logisch!
Und ansonsten? Der stinknormale Wahnsinn. Superpower und Beweise. Waehrend Sok arbeitet ist Natatalie am Strand. Oder in Soks Bar am Strand. Oder haengt sonstwo ab. Mit sonstwem. Und alles alles: kein Grund sich Sorgen zu machen! Alles einfach nur schoen. Viel zu schoen. Um wahr zu sein.