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Willkommen in meinem Leben

Ich versuchs einfach. Weil ichs auch loswerden muss! Oder einfach nur rausschreien. Vielleicht versteht ihrs. Ich kuerze alles ab. Und beschraenke mich auf die 24 Stunden, die ich in Sihanoukville verbracht hab. Also: nach 2 Monaten reisen zum ersten Mal Strand. Zum ersten Mal! Und: wisst ihr das eigentlich noch? Wie Sonnenmilch riecht? Wie sie mit dem Sand und dem Salz so Klumpen macht? Wisst ihr das noch, ihr Schneehasen? Ich weiss es wieder. Und das ganze natuerlich an einem Strand, wo du dich einfach fragst: warum machen das eigentlich nicht alle? Das JC zahlt doch schliesslich! Nach dem Nachmittag an diesem Strand geht Natatalie zu ihrem Hausstrand quasi. Und da sind gaaanz viele Bars. Und von dem letzten Dollar in der Tasche kauft sich Natatalie in einer dieser Bars ein Happy-Hour-Bier. Und jetzt: eine Kontinuitaet. Denn: Natatalie und die Barmen. Das sind wirklich immer verdammt gute vibes. Wir sind in der Regel: ein Team. Wie zum Beispiel der Discoabend in Kampot. Barman: Clement. Natatalie hat nur einen Bruchteil ihrer Getraenke bezahlen muessen. Naja, jedenfalls in dieser Bar wieder: talk mit den Barmen, Monkey und Nicky. Und wisst ihr was? Es ist Ismaels Geburtstag! Und den hat er schon seit langem geplant. Und den begeht er wo? In Thailand. Naja jedenfalls da. Da liegt eine Phnom Penh Post rum. Natatalie schaut nie in die Phnom Penh Post! Aber an dem Tag liegt da eine. Und die barmen machen sie drauf aufmerksam. Und was steht da, am Tag von Ismaels Geburtstag, als Schlagzeile, Seite 1? Anarchy reigns in Thailand. Anarachy reigns in Thailand! Das ist: ein Hammer! Und Ismael: schlicht und einfach der Groesste. Aber ich hab sie. Ich kanns beweisen. Und werds ihm schenken.
Als Natatalie zuruecklaeuft, in ihr Guesthouse, links Hammersonnenuntergang, rechts in einer der Bars ihr Lieblingslied. Blosse Details. Danach Entscheidung: essen! Weil naemlich, krass: Natatalie kann nicht mehr essen! Es geht einfach nicht mehr. Jeder Bissen eine Qual. Und die Klamotten, die werden groesser und groesser, echt! Und schlafen kann ich auch nimmer. Ist eh ueberwertet. Jedenfalls also: essen, in einer dieser Bars. Natatalie sucht nach Musik aus. Die beste Musik gewinnt. Und da: oh Gott Leute. Der Text ist schon so lang und wir sind maximal bei Stunde 6 in Sihanoukville. Jedenfalls in dieser Bar. Natatalie hat kein Geld mehr, recht schnell. Und wird wieder eingeladen von einer Frau. Die Natatalie unbedingt in eine andere Bar mitnehmen will und als das dann geschieht, so tut, als waere ich ihre Freundin. Und am Tisch sitzen ein paar sehr komische englische Hooligans. Es ist alles: unglaublich, Leute. Jedenfalls tatscht die rum an Natatalie, nach kurzer Zeit macht sie aber ein Moto fuer mich klar, das mich zur anderen Bar zurueckbringt. Da bin ich noch verabredet und will dahin zurueck. Und ploetzlich ist da: der Barman! Kontinuitaet, ihr seht! Er ist so suess. Und er heisst Sok. Und wir verabreden heimlich, dass wenn er fertig ist mit arbeiten, dann gehen wir noch woanders hin. Und so geschiehts. Und so ist es einfach nur geil.
Die Nacht, ich spar sie aus. Ihr versteht! Jedenfalls am naechsten Tag, nach wenig Schlaf, abhaengen am Strand. Und es ist: wir koennen nicht anders! Die ganze Zeit muss ich ihn beruehren. Und er mich. Er ist so niedlich, Leute. Und die Leute glotzen alle! Weil eine Weisse mit einem Kambodschaner, das passiert nicht. Nur um Geschaefte zu machen passiert das. Und er: scheisst darauf. Ist ihm egal! Und mir auch. Und wir reden so viel! Die ganze Zeit. Er arbeitet in dieser Bar fuer 80 Dollar – im Monat! 8 Stunden am Tag. Drei Tage frei pro Monat. Tageslohn: 2,75 Dollar. Und er war noch nie ausserhalb Kambodschas! Und er kennt Schnee nur aus dem Fernsehen. Und bei 23 grad wird ihm kalt. Und er ist Fan von Manchester United. Und er hatte einen Motounfall vor 3 Wochen! und das ist krass, weil der Verkehr hier so heftig ist, dass die Strassen foermlich gepflastert sind von Unfallleichen. Aber er lebt!
Es ist: unglaublich. Es fuehlt sich an wie….oh mein Gott!!!! Das fuehlt sich an wie eine Lovestory. Nach einem Tag! Das ist schon eine. Unsere Welten: koennten verschiedener nicht sein, echt. Ich erzaehl ihm von besetzten Haeusern. Von Demos. Von Kolumbien. Er erzaehlt mir, dass er mit 13 von zu Hause weg musste, um auf Baustellen Zement zu schleppen. Damit er das Schulgeld bezahlen konnte.
Leute, ich schwoers euch: ich koennte noch endlos weiter schreiben. Was alles passiert ist. Wie ich meine hollaendischen Reise-Grosseltern wiedergetroffen hab. Oder gestern hab ich Nicky getroffen. Die mich aus dieem Klo gerettet hat, ihr wisst noch! Wir sind irgendwie: seelenverwandt. Und auch sie: kann nicht essen, nicht schlafen! Heute abend gehen wir aus. Noch mit Michelle. Und morgen, da geh ich zurueck zu Sok. Ausserplanmaessig. Aber es muss sein! Und nach Bangkok kann man gerade eh nicht. Es ist ja quasi lebensgefaehrlich gerade in Bangkok! Ich bleib einfach noch hier. Bei Sok.
Leute. Fuer euch sind das 5 Minuten taeglich. Bloglesen. Fuer mich aber: mein Leben. Und kommt mit dem allem bitte mal klar. Es ist: Wow. Aber ich bleib dran! Ich lass es euch wissen. Soweit es geht.

Superpoderes

Jetzt ist es endgueltig. NatPu PuNat: Vergangenheit. Keine Fragezeichen. Kein schauen wir mal. Klarheit. Schluss. Aus. Vorbei! Und am Ende war es dann fast eine Formsache. Denn voneinander verabschiedet, im Herzen, haben wir uns schon vorher.
Und weil es sich so gehoert, hiess die gestrige Mission: abschiessen. So als Ritual. Weil man das so macht. Happy hour. Und ploetzlich waren da Nicky. Und Steve. Und Clement. Und Claire. Und die haben mitgemacht. Und getanzt! Zur Musik von DJane Natatalie. Und da war schon wieder einer! Ein Beweis! Fuer Natatalies Superpower. Ihre superpoderes. Denn eigentlich ist sie naemlich gar kein Mensch. Sondern ein Magnet. Fuer die tollsten, interessantesten, faszinierendsten Menschen. Die sind immer da, wo Natatalie ist. Ehrlich! Entweder sie warten, bis Natatalie zu ihnen kommt. Oder sie kommen dahin, wo Natatalie ist. So war es gestern wieder. Es hagelt Beweise. Aber ihr wisst das ja alle! So wars naemlich schon immer. Und ihr seid schliesslich alle part of the game.
Naja und dann sind wir weiter, in die naechste Bar. Gestern, mein ich. Und da ist Natatalie foermlich zusammengeklappt. Weil 7 Gin Tonic sind eventuell einer zu viel. Oder lags an diesem Schlangenschnaps? Vermutlich auch das. Aber, interessant: wenn Natatalie jetzt von dieser Schlange gebissen wird, dann stirbt sie erst nach 4 Stunden. Und nicht schon nach 2.
Jedenfalls also: alle Lichter aus. Die kleine Natatalie, irgendwo in Kambodscha. Ohne ihre Spanier. Auf dem Klo einer verwegenen Bar. Am Ende.
Aber die Superpower! Denn selbst da, selbst da wirkt sie. Und deshalb war Nicky bei Natatalie. Die wunderbare Nicky. Und hat ihr Haendchen gehalten. Und Wasser eingefloesst. Und Steve hat sie nach Hause gefahren. Auf dem Moped. Und zur Zimmertuer gebracht. Nachdem sie wieder einigermassen laufen konnte.
Und wem sollte da bange sein? Wer sollte da nicht optimistisch in die Zukunft schauen? Ich kann darauf vertrauen. Es geht gar nicht anders. Jedes Ende ist ein Anfang. Der Anfang von noch mehr Beweisen! Das weiss wirklich niemand besser als ich.

Wir sinds

Leute! Ihr koennt euch ganz beruhigt zuruecklehnen. Wir warens, sinds und bleibens. Genocide-Worldchampions. Ungeschlagen und mit grossem Abstand.
Denn rein numerisch liegen hier wohl gewisse Vertuschungen vor. In Cambodia, bei der Masssenvernichtung. Oder nennen wirs Propaganda? Denn: es gab hier nicht nur die Roten Khmer. Es gab auch Hungersnot. Wegen der viele Menschen umgekommen sind. Damals. Und auf den killing fields: Massengraeber, klar. Aber so brilliant wie die Deutschen? Nee.
Und wir werden in der Gedenkstaette der killing fields auch erwaehnt! Denn die Unvergleichbarkeit resultiert eben aus dem Vergleich. Unsern Adolf, den erwaehnen sie. Und in relativ wagem Kontext wird doch tatsaechlich behauptet, dass die Roten Khmer schlimmer gewesen seien als die deutschen Nazis. Und hier geht jetzt schon irgendwie die Frechheit los.
Und im S 21 war Natatalie jetzt auch. Das ist das groesste Gefaengnis des Landes. Die wichtigste Folterstaette der Roten Khmer. Knapp 20000 Menschen sind hier gestorben. Und die Ausstellung da: vor 20 Jahren haette man das als Betroffenheitspaedagogik bezeichnet. Sehr emotionaler Zugang, im Prinzip nur Einzelschicksale. Tausende Fotos von Opfern, die fuer sich sprechen sollen.
Und Natatalie haengt ihre Ohren auch ab und zu in die vorbei kommenden Fuehrungen rein. Der beliebteste Satz lautet: „and they killed also a lot of babies“. Und die Touris werden blass. Und schreiben danach ins Gaestebuch, dass sie so was noch nie gesehen haben. Ignorante Arschloecher, alle miteinander.
Und Natatalie? Die schwebt weiter durch die Welt. Und durch ihr Leben. Das im Moment ueberstrahlt wird von Michelle. Und Ramses. Hoert ihr! Ramses, Michelle! Ihr ueberstrahlt alles! Ihr lasst Natatalie schweben. Der Wahnsinn geht einfach weiter. Einfach so.

Zu viel

Der Lauf der Welt will, dass es Natatalie immer aufregend hat. Aktuell: ein Zyklon. Der gerade jetzt unbedingt nach Kambodscha muss.
Und Natatalie? Trifft grosse Entscheidungen. Und sagt klar und deutlich: temples suck. Und hat keinen Bock auf Angkor Wat. Und faehrt da nicht hin.
Und damit schwimmt sie gegen den Strom. Denn 95% aller Touristen gehen nur nach Angkor Wat. Und dann wieder schnell weg.
Und vom ersten Moment an wird Natatalie begleitet. Von diesem Gefuehl. Das beklemmt. Bis es fast den Atem raubt. Denn es sind gerade mal 10 Jahre, dass die Kambodschaner aufgehoert haben, sich gegenseitig abzumetzeln. Und abmetzeln heisst hier: in deutschen Dimensionen. Wie viele Tote es gab, weiss keiner, aber es sind Millionen. Millionen!
Die Hauptstadt Phnom Penh, die jetzt so voller Menschen ist und laut, bunt und dreckig, die war ueber 3 Jahre in den 70ern hinweg leer. Eine Geisterstadt. Weil Kambodscha ein maoistischer Bauernstaat werden sollte. Und deshalb alle aufs Land mussten. Oder unter die Erde. Oder totgeschleift werden mussten auf der Erde.
Und die Kambodschaner, die ich sehe, auf der Strasse. Was haben die erlebt? Was haben die gesehen? Und: was haben die gemacht? Es uebersteigt alles. Mich. Meinen Horizont. Meine Vorstellungskraft. Mit links.
Und versteht ihr das? Laos, Kambodscha. Nebenan noch Vietnam. Versteht ihr was hier los war? Ich verstehs naemlich nicht.
Aber ich wills wissen. Oder vielmehr: erahnen. Was vor kuerzester Zeit hier los war. Contemporary history, quasi. Oder einfach: das Leben der Kambodschaner.

Pausa piti:
Chicos! Equipo! En ese momento estais viajando en un maldito tren. Y yo? En Phnom Penh! Sin esa rubia pedando como una reina y sin el hedonista que pincha mis canziones preferidas, nadie que me applaude…buuuuhhhh! Donde estais? Reunion, reunion! Decision! El fondo! Donde esta? Lo teneis vosotros?
Pero aqui: todo guay. Muy guay. Y los Kamboianos son bastantes atrevidos. Si si. Les gusta mucho echar los perros. Bueno! Aqui estoy.
Pues mi viaje en el minibus: mas o menos. Yo en un bus, mi mochilla en otro. No problem, miss, no problem. Y luego: ahhh, the bus left, to Cambodia! Pero despues de unos investigaciones: mi mochilla esta a mi lado. Menos mal!
Y: ahora me voy a buscar un vuelo de Phnom Penh a Phuket. Decision: no voy a Angkor Wat, ni a Bangkok. Pah! Tengo otras cosas que hacer. Mejores cosas.
Bueno chicos! Ahora me voy a tomar unas cubatas por alli. Son tan barratas! Y bebiendolas, voy a pensar en vosotros. Porque me haceis tanta falta. Un besote!

Hedonism!

Morgen ist es also soweit. Morgen ist Abschied. Voneinander, zumindest vorerst. Denn morgen fahr ich nach Kambodscha und die anderen wieder nach Thailand.
Und: wir wollen das nicht! Trennung, wenn auch nur fuer 2 Wochen. Von Ana, Ismi. Und seit neustem auch von: Alexandro. Den haben wir naemlich adoptiert. Alexandro aus Milano. Und der ist hier auf dieser minikleinen Insel mitten im Mekong irgendwie kleben gebleiben. An uns. Und verwendet schon unsere Sprueche wie ein ganz Grosser. Weiter so!
Wegen dem Abschied also dann heute: Abschiedsparty. Auf Don Khong. Ein weiterer guter Grund. Zuletzt war schon 1-Monat-unterwegs-Party, Bergfest, noch-1-Monat-unterwegs-Party. Alles in einer Woche. Und alles betrieben mit dieser unglaublichen Professionalitaet. Die einfach nur Ismael hat. Der Master aller Hedonisten. Hedonism!
Und jetzt, ich: Kambodscha! Rote Khmer, Killing Fields, Genozidmuseum, und vor allem: Ramses! Ramses und sein Dorf. Ramses und sein Projekt. Ramses und seine Schulkinder. Bis gleich dann also. Ihr da draussen! Aus Kambodscha.